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Rede


30.06.2011 – 17. Legislatur Johanna Regina Voss

Fracking in der Erdgasförderung verbieten

CDU/CSU und die FDP brauchten die Katastrophe von Fukushima, um zu verstehen, dass ihre Atompolitik und ihr Gerede von der „Brückentechnologie“ falsch war. Jetzt gibt es – scheinbar – eine neue „Brückentechnologie“: Erdgas. Besondere Hoffnung liegt auf der Förderung von heimischem unkonventionellen Erdgas. Hier spielen die großen Energiekonzerne schon wieder mit dem Feuer und werden dabei von der Regierung unterstützt. Brauchen wir erst wieder einen Unfall, um auch hier zur Einsicht zu kommen? Die Förderung von Erdgas mithilfe von Fracking ist keine Brückentechnologie, sondern eine Hochrisikotechnologie.

Wir reden über die Förderung von unkonventionellem Erdgas mit der Methode des Hydraulic Fracturing, kurz: Fracking. Mit dieser – zumindest in der derzeitigen Form – noch recht jungen Fördermethode sollen künftig auch in Deutschland neue Erdgasquellen erschlossen werden. Uns wird versprochen, dass wir durch die Förderung von einheimischem Erdgas unabhängiger von Gasimporten werden. Aber die Sache hat einen Haken – und zwar einen gewaltigen.

Fracking ist mit hohen Risiken für die Bevölkerung und die Umwelt verbunden. Vor allem das Trinkwasser ist gefährdet. Beim Fracking werden mit hohem Druck riesige Mengen Flüssigkeit in den Boden gepresst. Die Frac-Flüssigkeit ist mit hochgiftigen Chemikalien versetzt. Die Gaskonzerne sagen, dass das Verfahren sicher ist und dass kein Frac-Wasser austreten kann. Die Bundesregierung verlässt sich in ihrer Bewertung auf die Werbebroschüren der Gaslobby und kommt damit – welch Überraschung! – auch zum Ergebnis, dass Fracking sicher ist.

Aber woher wissen die das so genau? Die Bundesregierung musste im April im Umweltausschuss einräumen, dass es noch keine wissenschaftlichen Studien zu den Umweltauswirkungen von Fracking in Deutschland gibt. Das Umweltministerium hat – mit Berufung auf das Umweltbundesamt – erst vor kurzem einen Bericht auf seine Webseite gestellt. Dort ist nachzulesen, was beim Fracking alles passieren kann: Nicht nur die Bohrungen durch die trinkwasserführenden Schichten sind gefährlich. Auch durch die unterirdischen Sprengungen können Risse entstehen, durch die das Giftgemisch austreten kann. Und auch die Lagerung der zurückgewonnenen Flüssigkeit aus der Erdgasbohrung ist hoch gefährlich. Denn im Untergrund hat sich die giftige Flüssigkeit häufig auch noch mit radioaktiven Substanzen vermischt. Das klingt nach einem Horrorszenario – aber genau so steht es auf der Webseite vom Umweltministerium. Was brauchen wir noch? Wir können doch nicht warten, bis unser Trinkwasser großflächig vergiftet und radioaktiv verseucht ist, um die Gefahren von Fracking anzuerkennen!

Schließlich belegen die vielen Vorfälle in den USA, dass Fracking gefährlich ist. In den USA wird Fracking schon jetzt großflächig eingesetzt. Dort gab es schon etliche Trinkwasservergiftungen, Explosionen und Erdbeben. Der letzte Unfall ist noch nicht lange her: Im Bundesstaat Pennsylvania flossen am 20. April nach einem Fracking-Unfall tausende Liter giftige Flüssigkeit in einen nahegelegenen Fluss. Es dauerte mehrere Tage, bis das Austreten des Giftgemischs gestoppt werden konnte. Die Anwohner befürchten nun eine unumkehrbare Vergiftung des Wassers. Auch in Deutschland gab es schon Unfälle bei der Erdgasförderung. Wenn Fracking nun auch hier vermehrt eingesetzt werden soll, steigen die Gefahren. Das dürfen wir nicht zulassen!

Nun heißt es immer, dass Erdgas ja umweltfreundlich ist. Aber: Erdgas ist ein fossiler Energieträger, bei dessen Verbrennung das klimaschädliche CO2 entsteht. Zwar weniger als bei Kohle, aber doch genug, um den Klimawandel zu beschleunigen. Auch Erdgas ist also ein Klimakiller. Und ganz besonders das unkonventionelle Erdgas, das nur mit einem riesigen energetischen Aufwand überhaupt erschlossen werden kann. Eine Energiepolitik, die den Weg in das Zeitalter der erneuerbaren Energien ebnet, erfordert deswegen zu allererst drastische Einsparungen im Verbrauch von Erdgas! Erdgas muss so schnell wie möglich durch erneuerbare Energien ersetzt werden. Jetzt auf den massiven Ausbau der Erdgasförderung zu setzen, ist damit schlicht der falsche Weg!

Nehmen wir die Sorgen der betroffenen Menschen ernst: Dort, wo jetzt die ersten Probebohrungen beantragt sind, gibt es große Proteste. Die Menschen wollen kein Fracking, weil sie Angst um ihr Trinkwasser haben. Auch in anderen Ländern gibt es Proteste. In den USA und in Kanada wurden daraufhin Moratorien beschlossen, um die Umweltauswirkungen genauer zu untersuchen. In Frankreich ist die Regierung noch weiter gegangen. Sie hat am 9. Juni diesen Jahres ein Verbot von Fracking beschlossen. Das sollte auch hier möglich sein.

Was brauchen wir noch, damit auch die Regierungsparteien einsehen, dass Fracking eine gefährliche Risikotechnologie ist? Reichen hier die vielen Unfälle in den USA nicht schon aus? Trinkwasserverschmutzungen für Generationen sind dort schon Realität. Nehmen wir uns Frankreich zum Vorbild und verbieten wir auch in Deutschland die hochriskanten neuen Fracking-Methoden in der Erdgasförderung!