Für eine neue soziale Idee.

Mindestlohn

Lohndumping hat in Deutschland seit über zehn Jahren Konjunktur. Die Zahl der Beschäftigten, die vom Lohn ihrer Arbeit nicht leben können, ist stark gestiegen. Stundenlöhne von fünf Euro und weniger sind keine Seltenheit. Ein Bäcker verdient in Sachsen-Anhalt laut Tarifvertrag 4,48 Euro pro Stunde. In Rheinland-Pfalz erhalten Beschäftigte in der Bekleidungsindustrie einen Tariflohn von 5,84 Euro pro Stunde. Anhaltende Massenarbeitslosigkeit, Hartz IV, die Ausweitung von Minijobs und der Boom der Leiharbeit drücken auf die Löhne. Eine aktuelle Studie zeigt: bereits 6,5 Millionen, das ist fast jeder vierte Beschäftigte, arbeiteten im Jahr 2007 zu Niedriglöhnen. Im Zeitraum von 1995 bis 2007 ist die Zahl der Niedriglohnbeschäftigten um 2,1 Millionen gestiegen. Insbesondere Frauen werden oft schlecht bezahlt.

Immer mehr Menschen verdienen so wenig, dass sie auf Sozialleistungen angewiesen sind. Im Jahr 2006 erhielten bereits 880 000 Erwerbstätige neben ihrem Lohn Hartz IV-Leistungen. 2007 stieg diese Zahl auf 1,3 Millionen. Auch im Jahr 2008 blieb die Anzahl der Erwerbstätigen, die zusätzlich zu ihrem Lohn auf Hartz IV-Leistungen angewiesen sind, unverändert hoch. Der Staat subventioniert so Unternehmen, die schlechte Löhne zahlen.

Dieser Zustand ist einer reichen Gesellschaft unwürdig. Von Arbeit muss man leben können. Nur ein gesetzlicher allgemeiner Mindestlohn kann dem Lohndumping eine Grenze setzen, unter der nichts mehr erlaubt ist. Nur ein ausreichend hoher Mindestlohn kann Hungerlöhne, die nicht zum Leben reichen, verhindern. Wenn die Löhne wieder auf einem sicheren Fundament stehen, gehen auch die Einnahmeausfälle bei Steuern und Sozialversicherungen infolge Lohndumping und prekärer Arbeit zurück. Die Staatskassen werden von aufstockenden Sozialleistungen entlastet. Schließlich stärkt ein gesetzlicher Mindestlohn auch die Binnennachfrage.

Die Große Koalition glänzte lange durch Untätigkeit. Dann legte sie Flickwerk vor. Mit ihren Vorschlägen zu Branchenmindestlöhnen wurde der Anspruch fallen gelassen, eine einheitliche Lohnuntergrenze einzuführen. Auch die jetzige schwarz-gelbe Koalition will keinen flächendeckenden gesetzlichen Mindestlohn einführen. Selbst die wenigen Branchenmindestlöhne sollen wieder auf den Prüfstand gestellt werden.

Die Fraktion DIE LINKE fordert die Einführung eines flächendeckenden gesetzlichen Mindestlohns, der in der laufenden Wahlperiode auf 10 Euro pro Stunde erhöht wird und Jahr für Jahr zumindest in dem Maße wächst, wie die Lebenshaltungskosten steigen. Wenn in einer Branche der unterste Tariflohn über dem gesetzlichen Mindestlohn liegt, soll dieser für allgemeinverbindlich erklärt werden. Dazu ist die Allgemeinverbindlichkeitserklärung auch ohne Zustimmung der Arbeitgeberverbände zu erleichtern.


Mehr zu diesem Thema:

20.02.2008 – Kleine Anfrage – Drucksache 16/8141

Mindestlohn bei Tochterfirmen der Post AG

Politische Thematisierung der Tatsache, dass die Post AG in ausländischen Tochterfirmen unfaire Arbeitsbedingungen zu verantworten hat. Öffentliche Skandalisierung der politischen Verantwortung, die der Bund für Lohndumping und schlechte Arbeit in unseren europäischen Nachbarländern trägt. Mehr (PDF)   /// Für diese Anfrage liegt eine Antwort der Bundesregierung als Drucksache 16/8337 vor. Antwort lesen (PDF)

27.04.2007 – Rede

Deutschland braucht Mindestlöhne

DIE LINKE. hat den Antrag „Deutschland braucht Mindestlöhne“ im Bundestag eingebracht. Darin sind die Forderungen der SPD-Unterschriftenkampagne für Mindestlöhne übernommen. „Sie schaden den Menschen, die zu Hungerlöhnen arbeiten, wenn Sie nicht endlich wahrhaftig werden und dem Mindestlohn auch zustimmen“, hält Oskar Lafontaine den SPD-Abgeordneten in der Debatte vor. Mehr

27.03.2007 – Antrag – Drucksache 16/4845

Deutschland braucht Mindestlöhne

Die SPD ruft zur Beteiligung an einer Unterschriftenkampagne für Mindestlöhne auf. DIE LINKE. teilt die wesentlichen Aussagen des SPD-Aufrufs und übernimmt sie in den vorliegenden Antrag. Die SPD-Fraktion wird damit vor die Entscheidung gestellt, sich im Bundestag für oder gegen ihr eigenes Plädoyer für Mindestlöhne auszusprechen. Mehr (PDF)

07.03.2007 – Entschliessungsantrag – Drucksache 16/4623

Entschließungsantrag zur zweiten und dritten Beratung des von der BReg eingebrachten Gesetzentwurfs zur Änderung des Arbeitnehmer-Entsendegesetz

Die Regierungsfraktionen erwägen die Möglichkeit, Mindestlöhne allein auf der Basis von Tarifverträgen einzuführen. DIE LINKE. weist diese Option als nicht hinreichend zurück. Unterste tarifliche Löhne von weniger als 8 Euro brutto pro Stunde und Branchen ohne tarifliche Festlegung von Entgelten machen einen gesetzlichen Mindestlohn unumgänglich. Nur dieser kann allen Beschäftigten einen Stundenlohn von mindestens 8 Euro garantieren. Mehr (PDF)

20.10.2006 – Rede

Für einen sozial gerechten Mindestlohn

In seiner Rede appellierte Oskar Lafontaine, Vorsitzender der Fraktion DIE LINKE., an alle Abgeorndete, die entsprechenden Schlüsse aus der Armuts-Debatte zu ziehen und die Hartz-IV-Gesetze zu novellieren den gesetzlichen Mindestlohn von 8 Euro pro Stunde in Deutschland einzuführen. Mehr

20.06.2006 – Antrag – Drucksache 16/1878

Für einen sozial gerechten Mindestlohn in Deutschland

Die Bundesregierung wird zur Vorlage eines Gesetzentwurfes aufgefordert, der die Einführung eines Systems Dualer Mindestlöhne zum 1.1.2007 sicherstellt. Damit sollen Armutslöhne und Lohndumping verhindert werden. Mehr (PDF)

18.01.2006 – Antrag – Drucksache 16/398

Mindestlohnregelung einführen

Die Bundesregierung wird zur Vorlage eines Gesetzentwurfes aufgefordert, der sicherstellt, das alle Arbeitnehmer einen rechtlichen Anspruch auf einen Lohn von 8 Euro/Stunde(brutto)erhalten. Lohndumping soll damit verhindert und die Position von Beschäftigten in Tarifverhandlungen gestärkt werden. Mehr (PDF)




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