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30.03.2016 Sabine Zimmermann

Arme sterben früher

 

Zur Antwort der Bundesregierung auf die schriftliche Frage der stellvertretenden Vorsitzenden und arbeitsmarktpolitischen Sprecherin der Fraktion DIE LINKE. im Bundestag, Sabine Zimmermann, zum Zusammenhang von sozialem Status und Lebenserwartung vom 11. März 2016

Kernaussagen

  • Laut aktueller Gesundheitsberichterstattung des Bundes beträgt die Differenz in der Lebenserwartung zwischen der niedrigsten und der höchsten von fünf Einkommensgruppen bei Frauen 8,4 Jahre und bei Männern 10,8 Jahre.
  • Die Lebenserwartung besonders von Männern liegt in struktur- und einkommensschwachen Regionen wie weiten Teilen der neuen Bundesländer und Teilen des Ruhrgebiets, des Saarlandes und Frankens statistisch signifikant unter dem bundesdeutschen Durchschnitt.
  • Die Unterschiede in der Lebenserwartung sind auf unterschiedliche Risikofaktoren wie Bildung und Gesundheitsverhalten sowie Arbeits- und Lebensbedingungen zurückzuführen.
  • Bei vielen Krankheiten und Beschwerden, die aus den genannten Risikofaktoren resultieren, bestehen ebenfalls soziale Unterschiede mit einem höheren Anteil der unteren Statusgruppen.


Die Fragestellerin wie die antwortende Bundesregierung bezogen sich auf die aktuelle Gesundheitsberichterstattung des Bundes („Gesundheit in Deutschland“), die vom Robert-Koch-Institut in Zusammenarbeit mit dem Statistischen Bundesamt erstellt wird.

Darin heißt es weitergehend: „Für eine Vielzahl chronischer Krankheiten gilt: Je niedriger der soziale Status, desto höher ist das Erkrankungsrisiko. Zu diesen Krankheiten zählen Herzinfarkt und Schlaganfall, bestimmte Krebsarten wie Lungen- und Magenkrebs, Stoffwechselstörungen wie Diabetes mellitus sowie degenerative Erkrankungen des Muskel- und Skelettsystems. […]

Das höhere Krankheitsrisiko und die häufigeren Gesundheitsprobleme spiegeln sich letztlich in einer erhöhten vorzeitigen Sterblichkeit sozial benachteiligter Bevölkerungsgruppen.“
Weitere themenrelevante Informationen enthält außerdem die Ausgabe 02/2016 des Bundesgesundheitsblattes, die den Titel „Soziale Ungleichheit und Gesundheit“ trägt.


Dazu erklärt Sabine Zimmermann, stellvertretende Vorsitzende und arbeitsmarktpolitische Sprecherin der Fraktion DIE LINKE. im Bundestag:

„Die Gesundheitsberichterstattung des Bundes belegt eindeutig: Arme sterben früher. Sie leiden häufiger an chronischen, aber auch an psychischen Krankheiten wie Depressionen. Wer wenig verdient, muss häufiger schwere und gesundheitlich belastende Arbeit leisten, muss unter Lärm und Luftverschmutzung leiden, kann sich nicht so gut ernähren und stirbt früher als Besserverdiener. Die Weichen dazu werden schon im frühen Alter gestellt. Armut wie schlechte Gesundheit werden von Generation an Generation weitergegeben. Um das zu ändern, braucht es mehr als Programme zur Gesundheitsprävention. Nötig ist die umfassende Bekämpfung von Armut und gesundheitsschädlichen Lebensverhältnissen, also höhere Löhne und bessere Arbeitsbedingungen gerade für Geringverdiener, mehr soziale und Jobsicherheit, Umweltschutz gerade in den Innenstädten und, und, und. Die aktuellen Untersuchungen zeigen, dass der Unterschied zwischen Arm und Reich wirklich existentielle Bedeutung hat.“

linksfraktion.de, 30. März 2016