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15.12.2015 Jutta Krellmann

Leiharbeit geht auf die Knochen

           Foto: © iStockphoto.com/dlewis33

 

Leiharbeit bedeutet höhere Anforderungen, mehr körperliche Beschwerden und einen höheren Krankenstand. Das belegt die Antwort der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage der Fraktion DIE LINKE zu den gesundheitlichen Auswirkungen von Leiharbeit.

Beschäftigte in Leiharbeit sind häufiger und länger krank als übrige Beschäftigte. Sie weisen erhöhte Arbeitsunfähigkeitsfälle und –tage auf. Antidiabetika und Antidepressiva wurden Leiharbeitern 2012 in merklich größerem Umfang als regulär Beschäftigten verordnet. Sie liegen auch bei diagnosebezogenen Arbeitsunfähigkeitstagen deutlich über den übrigen Beschäftigten, z.B. bei Krankheiten des Muskel-Skelett-Systems, Verletzungen oder der Psyche.

Mit den hohen Anforderungen in der Leiharbeit gehen auch mehr körperliche Beschwerden einher, konstatiert die Bundesregierung ihrer Antwort: „Ursache für erhöhte gesundheitliche Risiken in der Leiharbeit sind darin begründet, dass die Tätigkeit von Beschäftigten in Leiharbeit im Vergleich häufiger körperlich anstrengend und monoton ist, die zudem oft unter ungünstigen Umgebungsbedingungen geleistet werden muss.“ (siehe Antwort der Bundesregierung auf Frage Nr. 3)

Jutta Krellmann, gewerkschaftspolitische Sprecherin der Fraktion, kommentiert: „Jetzt haben wir es schriftlich: Die Bundesregierung gibt höhere Belastungen in der Leiharbeit selbst zu. Deshalb fordert DIE LINKE u. a. einen Flexibilitätszuschlag in Höhe von zehn Prozent. Unliebsame Arbeit kriegen meist Leiharbeiter zugewiesen. Die Bundesregierung antwortet unzureichend und spart große Bereiche aus. Sie will wohl nicht noch weiter Öl ins Feuer gießen, denn bei der Leiharbeit knallt es ja grad ordentlich von der Arbeitgeberseite. Nachdem der Referentenentwurf aus dem Hause Nahles nun schon in aller Öffentlichkeit vom Kanzleramt geschreddert wurde, verwundert die Schmallippigkeit der Bundesregierung hier nicht. DIE LINKE will die Gleichstellung ab dem ersten Tag, beschränkt auf maximal drei Monate. Wir wollen keine Zwei-Klassen-Belegschaften.“

Ergebnisse im Einzelnen
  • Leiharbeitsbeschäftigte sind häufiger und länger krank: Sie haben 31,5 Prozent mehr Arbeitsunfähigkeitsfälle (1,42 zu 1,08) und 38,5 Prozent mehr Fehltage (18 zu 13) (s. Antwort auf Frage 1)
  • 2012 wurden Antidiabetika und Antidepressiva Beschäftigten in Leiharbeit in merklich größerem Umfang als regulär Beschäftigten verordnet (s. Antwort auf Frage 1. Die Bundesregierung bezieht sich in ihrer Antwort auf den Gesundheitsbericht der Techniker Krankenkasse 2013; siehe hierzu S. 46f und Tabelle A 36 aus S. 165 im Bericht)
  • Bei den diagnosebezogenen Arbeitsunfähigkeitstagen weisen Beschäftigte in Leiharbeit auffallende Differenzen gegenüber übrigen Beschäftigten auf, z.B.:
    • Muskel-Skelett-System um 57 Prozent höher als übrige Beschäftigte (4,13 zu 2,63)
    • Verletzungen um 58 Prozent höher als übrige Beschäftigte (2,44 zu 1,54)
    • Psyche um 34 Prozent höher als übrige Beschäftigte (2,71 zu 2,02) (s. Antwort auf Frage 2)

linksfraktion.de, 15. Dezember 2015



Dokumente zum Thema

15.12.2015 – PDF FÜR CONTENT

Antwort der Bundesregierung auf die Kleine Anfrage zu gesundheitlichen Auswirkungen von Leiharbeit

Antwort der Bundesregierung auf die Kleine Anfrage zu gesundheitlichen Auswirkungen von Leiharbeit

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