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Im Wortlaut


08.01.2014 André Hahn, linksfraktion.de

Ein ebenso mutiger wie wichtiger Schritt

Thomas Hitzlsperger beim Länderspiel Dänemark gegen Deutschland am 11. August 2010 im Parken Stadion in Kopenhagen, Foto: picture alliance/dpa

 

Von André Hahn, Sportexperte


Angesichts der schon seit Jahren geführten Diskussion über Homosexualität im Profi-Fußball sowie der damit verbundenen Mutmaßungen und Verdächtigungen ist das jetzige öffentliche Statement von Thomas Hitzlsperger ein ebenso mutiger wie wichtiger Schritt. Er bestätigt nunmehr auch offiziell das, was eigentlich völlig normal ist: Auch in vergleichsweise harten Männersportarten gibt es Sportler mit homosexueller Orientierung.

Deshalb hinterlassen die aktuellen Medienmeldungen und Reaktionen bei mir auch einen zwiespältigen Eindruck, denn eigentlich sollte es doch völlig egal sein, wen oder wie ein prominenter Sportler privat liebt.

Dass die Aussagen Hitzlspergers dennoch so viel Aufsehen erregen, ist sicher dem Umstand geschuldet, dass er tatsächlich der erste (männliche) Fußball-Nationalspieler ist, der sich dazu öffentlich erklärt. Und das wiederum hat ganz offensichtlich vor allem mit der Unsicherheit oder Sorge davor zu tun, wie die oder zumindest einige Fans (insbesondere gegnerischer Mannschaften) regieren, wenn sich ein Fußballprofi offen zu seiner Homosexualität bekennt. Die Angst vor der Intoleranz ist weit verbreitet. Wohl auch deshalb hat Thomas Hitzlsperger sich erst nach dem Ende seiner Karriere dazu geäußert. Das ändert jedoch überhaupt nichts daran, dass er ein ganz wichtiges Signal gesetzt hat.

Der Deutsche Fußballbund hat in den letzten Jahren einiges getan, um das Thema „Homosexualität im Profi-Fußball“ zu enttabuisieren. Jetzt sollte er auch jene ehemaligen oder aktiven Spieler stärken und unterstützen, die von sich aus die Öffentlichkeit suchen wollen.

Ansonsten bleibe ich dabei: Niemand soll, niemand darf genötigt werden, seine oder ihre sexuelle Orientierung zu offenbaren, weder im Sport noch in anderen Bereichen. Und schon gar nicht darf er oder sie deswegen diskriminiert werden. 

Das Medienecho auf Hitzlspergers Aussagen macht deutlich, dass wir von einer wirklichen Gleichstellung von Lesben und Schwulen, von Bisexuellen, Transsexuellen und Intersexuellen leider noch immer weit entfernt sind. Ich würde mir wünschen, dass es künftig kein Problem mehr ist, Homosexualität auch im Profi-Fußball offen zu leben und es in einigen Jahren keine Schlagzeilen mehr gibt, wenn sich jemand dazu bekennt.

 

linksfraktion.de, 8. Januar 2014