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Kunst im Fraktionssaal

Linksfraktion holt Kunst in den Sitzungssaal

  • Foto: Fraktion DIE LINKE
  • Fraktionschef Gregor Gysi begrüßt die Künstlerin Bettina Schilling (rechts) und die Tochter des Malers Siegfried Schütze, Gabriele Leonhardt zur ersten Vorstellung der Kunstwerke im Clara-Zetkin-Saal.

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  • Die kulturpolitische Sprecherin der Linksfraktion, Luc Jochimsen, erklärt bei der Vorstellung der Kunstwerke im Fraktionssaal den Abgeordneten, wie die Kunstwerke ausgewählt und zusammengestellt wurden. Ohne die hervorragende Zusammenarbeit mit dem Kurator den Bundestages, Andreas Kaernbach (rechts neben Luc Jochimsen), wäre die Kunst im Clara-Zetkin-Saal undenkbar gewesen.

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  • Erste Begutachtung des Bildes Trümmerfrauen von Bettina Schilling (2.v.l). Neben Gregor Gysi sind Luc Jochimsen und der Kurator des Bundestages, Andreas Kaernbach dabei. Die Malerin Bettina Schilling lebt in Berlin und Potsdam und ist Absolventin der Berliner Hochschule der Künste.

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  • »Trümmerfauen«,
    Collage, Öl auf Kork und Papier, 2006
    Bettina Schilling, geb. 1951 in Mannheim, studierte an der Berliner Hochschule der Künste, Abschluß 1991 als Meisterschülerin bei Prof. H. J. Diehl, lebt in Potsdam
    Bettina Schilling wurde 1951 in Mannheim geboren und lebt und arbeitet in Berlin und Potsdam.
    Von 1984 – 1991 studierte sie Malerei an der HdK Berlin und war Meisterschülerin bei Prof. H. J. Diehl. Nach mehreren Stipendien, u.a. 1993 bei der Karl- Hofer- Gesellschaft Berlin, gründete sie 1994 gemeinsam mit anderen KünstlerInnen das Atelierhaus „Panzerhalle“ im ehemaligen Kasernengebiet der Waldsiedlung in Groß Glienicke. Die Abrisse und Sprengungen militärischer Gebäude in der Waldsiedlung haben die Künstler über die Jahre in eindrucksvollen Fotos festgehalten. »Wir wollten uns mit Macht und Herrschaft auseinandersetzen«, fasst es Bettina Schilling in einem Interview zusammen. Damals entdeckte Bettina Schilling das gestalterische Potenzial von Umrissen und Silhouetten. Die Korkplatten, die sie in den Baracken als Isolierschicht ausbreitete, waren für ihre weitere künstlerische Entwicklung bahnbrechend. Kork, geschnitten, trat mehr und mehr an die Stelle von Papier, Schilling verließ mehr und mehr das gewohnte Bildformat.
    In den Potsdamer Nachrichten war dazu zu lesen: Das Herauslösen der Figur aus einem festgefügten Bildzusammenhang mit Hilfe von Schneidewerkzeugen war der erste Schritt. Figuren und Fragmente kombinierte sie dann in der Collage. Inzwischen sind die ausgeschnittenen Figuren, mit denen Bettina Schilling mehr und mehr in den Raum geht, so etwas wie ein Markenzeichen ihrer Kunst geworden. Ihre Figuren haben etwas von Scherenschnitten. In variablen Konstellationen werden sie an Sichtbetonwänden oder auch im Innern einer Kirche montiert. In der Regel sind diese Installationen nicht von bleibender Dauer. Dennoch erfahren Figuren, die sich besonders bewährt haben, in unterschiedlichen Wandinstallationen teilweise ein mehrfaches Comeback.
    Bei der Figurenfindung greift Bettina Schilling gerne auf Vorlagen in Form von Zeitungsbildern zurück. Am liebsten sind ihr Figuren in Bewegung. Vor allem laufende, springende, tanzende, kauernde, fliegende Körper bevölkern ihre Kunst. Von einem Künstleraustauschprojekt im Senegal im Rahmen der Internationalen Kunst-Biennale Dakart brachte die Malerin vor einem Jahr ganz neue Bilder in die Heimat zurück. Als adäquate Form für die im Senegal aufgenommenen Eindrücke wählte sie das Rundformat. Der kreisförmige Ausschnitt entspricht dem Objektiv einer Fotokamera.

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  • Ajax zum Beispiel – Edition Galerie auf Zeit, 2006
    Klaus Zylla ( Heiner Müller )
    Künstlerbuch mit dem »Ajax«-Text von Heiner Müller in der Handschrift von Klaus Zylla und Siebdruckgrafiken des Künstlers, die zum Teil übermalt sind (daher ist jedes Blatt in der 60er Auflage ein Unikat).
    Klaus Zylla wurde 1953 in Cottbus geboren, als Baufacharbeiter ausgebildet, brach mehrere Studiengänge ab, ehe er sich mit Beginn der 80er Jahre in Berlin zum Siebdrucker ausbilden ließ, kurzzeitig an der Kunsthochschule Berlin-Weißensee studierte, Leiter der Siebdruckwerkstatt an der Universität für Bildenden Kunst in Dresden war und schließlich in den Verband Bildender Künstler aufgenommen wurde. 1986 zeigt der bekannte Galerist Gerd Harry Lybke eine erste Einzelausstellung mit Arbeiten des Künstlers. Nach dem Fall der Mauer lernt Zylla in Amsterdam die Kunst der CoBrA-Gruppe (Anfangsbuchstaben der Städte Copenhagen, Brussels und Amsterdam, aus denen die Künstler der Gruppe stammen) kennen, die ihn tief beeindruckt. Der Künstler lebt in Berlin und Requengo Pequeno, Portugal.
    Heiner Müllers groß angelegtes, gleichnishaftes Gedicht »Ajax zum Beispiel« ist einer der wichtigsten Texte seiner späten Schaffensphase. Anhand der Figur des Ajax beschreibt der Dichter den Niedergang der alten Epoche und die Konfrontation mit der neuen Zeit. Ajax ist dabei tragisch angelegt. Er verkörpert das Nicht-Korrumpierbare; insofern ist er auch eine Hoffnungsgestalt. Aus diesem Widerspruch heraus hat sich Klaus Zylla zu einem konzeptionellen Künstlerbuch inspirieren lassen mit Serigrafien und freier Malerei. Jedes Buch ist ein Unikat. Der Film-Regisseur Egon Günther hat ein die Wirren dieser, unserer Zeit aufnehmendes Begleitwort geschrieben. Das Künstler-Buch wurde im Jahre 2006 im Brecht-Haus in Berlin vorgestellt.
    Heiner Müllers großes, klarsichtiges und rückhaltloses Gedicht »Ajax zum Beispiel« gehört zu den bleibenden Texten des 20. Jahrhunderts. – Beschrieben wird die Tragödie von Ajax, der sich aus Ehrverlust tötet. Ajax repräsentiert einen Typus, der sich naiv mit den Normen seiner Gesellschaft identifiziert und an deren Zweischneidigkeit zugrunde geht. Leitmotivisch wird eine vom Murmelns des Fernsehens unterlegte Kette mythologisch – kommunistisch – kapitalistischer Schreckensszenen montiert. Nachdem die Subjekt-Figur diese Kette durchbrochen hat, kommt sie angesichts des »weißen Rauschens« des Fernsehprogrammes auf die Vorstellung des suizidären Helden zurück. Ajax, der unzeitgemäße, ehrenhafte, tapfere, Listen verschmähende Krieger, der sich – mit Wahnsinn geschlagen – vor allen lächerlich macht und sich aus Scham in sein Schwert stürzt, ist jene Figur, die Heiner Müller nach 1989 wohl am meisten interessierte. – Die Schwierigkeit früherer Dichtung, sich gegen die ideologische Sprachverfälschung zu behaupten, ist nun überboten von der Schwierigkeit eines Gedichtes angesichts der radikalen Aushöhlung der Sprache durch die Werbung, die längst auch die Sprache der Politik geworden ist. Am Schluß geht das Gedicht vom freien Vers in gereimte fünffüßige Jamben über. Sie sind parodistisch und trauernd zugleich gemeint. Das Gedicht bricht – wieder wie im Paradoxon der Zeit (der UNZEIT) verhaftet – einfach ab. Eine bekenntnishafte Lösung Müllers zum Fragment, zum Torso, zum Unvollendeten. Wahrlich ein Meister, der sich zu dieser Blöße (und zur historischen Ratlosigkeit) bekennt (Egon Günther).

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  • Das Bild »Sisyphos macht Pause« schuf der Berliner Maler Siegfried Schütze 2009. Da der Bundestag dieses Kunstwerk nicht kaufen wollte, hat die Bundestagsfraktion DIE LINKE entschieden, das Bild selbst zu erwerben. Die Tochter des Künstlers, Gabriele Leonhardt (2.vl.) drückte im Namen ihres Vaters ihre Freude darüber aus. Gregor Gysi, Luc Jochimsen und der Kurator des Bundestages, Andreas Kaernbach sind bei der Vorstellung im Fraktionssaal dabei.

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  • »Sisyphos macht Pause« (2009) Acryl auf Hartfaser (Besitz der Fraktion)
    Siegfried Schütze, geb. 1940 Berlin, 1967-1972 Studium der Malerei an der Kunsthochschule Berlin-Weißensee, lebt in Berlin.
    Siegfried Schütze wurde 1940 in Berlin geboren und studierte von 1965 bis 1967 Malerei in einem Abendstudium an der Kunsthochschule Weißensee bei dem Maler Johannes Richter. 1972 beendete er das Studium mit einem Diplom als Maler und Grafiker. In den folgenden Jahren beschäftigte sich Schütze mit Architektur, Kunst am Bau und dem zeichnerischen und farbigen Naturstudium. Er wirkte u.a. an der Farbgestaltung des großen Saales des Palastes der Republik mit, arbeitete am Wiederaufbau des Berliner Schauspielhauses und an diversen Gestaltungsprojekten ( Wand- und Bodenmosaike ) in und an Berliner Gebäuden mit. Nach der Wende unternahm Schütze ausgedehnte Studienreisen quer durch Europa.
    Sein Werk »SISYPHOS MACHT PAUSE« ist im Rahmen seiner langjährigen Beschäftigung mit dem Thema »Stein – Fels – Erde« entstanden. Schütze bedient sich hierbei mythologischer Bezüge. Das Sisyphos – Bild gibt einen Hinweis auf die gegenwärtig latent bedrückende gesellschaftliche Situation. Es empfiehlt eine Atem- und Denkpause für die scheinbar nimmermüden Akteure. Schütze: „Die anstehenden irdischen Probleme sind mit blindem Aktionismus nicht zu lösen. Durchdachtes Handeln erfordert Denkpausen! Menschliche Intelligenz ist durchaus in der Lage durch oft einfache Gegenmaßnahmen den Naturgewalten Einhalt zu gebieten. Sisyphos vereitelt die Wucht der Schwerkraft durch eine physikalische Finte, er verschafft sich nach tausendjähriger Schufterei und Ratlosigkeit Luft für körperliche und geistige Erfrischung. Nach Äonen der Schufterei kommt ihm der glänzende Einfall: »Nimm den ROTEN KEIL!« Seit den russischen Konstruktivisten ein Symbol für die Suche nach einer anderen, besseren Gesellschaftsform. »Sisyphos macht Pause“ ist ein augenzwinkernder Hinweis auf die Möglichkeit latente Bedrohungen abzuwenden.«