Der Einführung von Hartz IV lag die Philosophie zugrunde, nicht das Fehlen von Millionen von Arbeitsplätzen sei das Problem, sondern die Motivation von Erwerbslosen. Die Opfer des Arbeitsmarkts wurden zu Schuldigen umgedeutet. Statt mehr Arbeitsplätze zu schaffen, wurde der Druck auf Erwerbslose erhöht. Die Absurdität dieser Ideologie ist gerade angesichts der Wirtschaftskrise offensichtlich. Es mangelt an guter Arbeit, nicht am Willen zu arbeiten. Die meisten Hartz-IV-Beziehenden sind nicht untätig, weil sie arbeiten, kleine Kinder betreuen oder an Maßnahmen teilnehmen. Nur 44 Prozent sind tatsächlich arbeitslos und 90 Prozent von ihnen wollen dringend arbeiten. Dies zeigt eine aktuelle Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung. Nicht die Arbeitsmoral ist also das Problem, sondern das Fehlen von Millionen Arbeitsplätzen.
Fünf Jahre nach der Einführung von Hartz IV ist außerdem klar: Die Reform ist grundlegend gescheitert. Vorgebliche Ziele wie die schnelle und passgenaue Vermittlung von Betroffenen in Erwerbsarbeit sowie eine effiziente, bürgerfreundliche Verwaltung wurden nicht erreicht. Stattdessen wurden Millionen Menschen in Armut gestoßen und auf ein repressives Fürsorgesystem verwiesen. Die versprochene Hilfe aus einer Hand wurde nie verwirklicht. Die Spaltung von Erwerbslosen in zwei Klassen droht mit der Reform der Jobcenter zementiert zu werden.
Mittlerweile sind Kernbestandteile der Hartz-Reformen vom obersten Gericht für verfassungswidrig erklärt worden. Die Konstruktion der Jobcenter ist ebenso unzulässig wie das Verfahren zur Bestimmung der Regelsätze. Union und FDP müssen deshalb noch in diesem Jahr nachbessern. Die von Vizekanzler Westerwelle (FDP) angestoßene Diffamierungskampagne soll Verbesserungen für die Betroffenen kommt. Sie dient dazu, Beschäftigte gegen Erwerbslose auszuspielen und beiden die dringend notwendigen Verbesserungen ihrer sozialen Lage vorzuenthalten. Für diese gilt es jedoch entschieden zu kämpfen! Der verleumderischen Kampagne müssen wir
vehement entgegen treten!
In einer Hinsicht hat Hartz IV tatsächlich gewirkt: Der Niedriglohnsektor ist dadurch immens ausgeweitet worden. 6,5 Millionen Menschen in diesem Land arbeiten mittlerweile zu Niedriglöhnen. 1,4 Millionen müssen ihre Hungerlöhne vom Amt aufstocken lassen. Die Angst vor dem Repressionssystem Hartz IV hat die Konzessionsbereitschaft von Erwerbslosen erhöht und die Beschäftigten erpressbar gemacht. Hartz IV hat die Angst vor Armut und sozialer Ausgrenzung bis weit in die Mitte der Gesellschaft hineingetragen. Die Angst vor Arbeitslosigkeit und dem damit bei längerer Dauer verbunden Statusverlust ist erheblich gestiegen. Dies hat aber nicht zu mehr Solidarität, sondern zu verstärkten Ressentiments gegenüber Langzeiterwerbslosen geführt. Hartz IV spaltet die Gesellschaft und sät Angst.
Die Alternativen der LINKEN:
DIE LINKE will Hartz IV grundsätzlich überwinden und durch gute Arbeit sowie eine sanktionsfreie, bedarfsdeckende Mindestsicherung ersetzen.
Gute Arbeit
Sanktionsfreie, bedarfsdeckende Mindestsicherung
Mit dieser Gesamtstrategie wird dem Sozialstaatsgebot des Grundgesetzes und den Grundrechten endlich wieder Geltung verschafft. Langzeiterwerbslosen wird ein Leben in Würde ermöglicht. Die Lage der Beschäftigten wird verbessert. So stärken wir den Zusammenhalt und die Demokratie und befördern die sozial gerechte Ausgestaltung unserer Gesellschaft. Unterstützen Sie uns dabei!
Redaktionsschluss: 16. März 2010