Liebe Leserinnen und Leser,
das Märchen von der Alternativlosigkeit hat im politischen Berlin Einzug gehalten. Es ist längst zum Fundament der schwarz-gelben Regierungskoalition, der Politik von Kanzlerin Merkel geworden. Mit diesem Märchen soll verdeutlicht werden, dass Widerspruch und Einmischung von außen nicht erwünscht sind. Gesellschaftliche Debatten werden nicht mit allen, sondern nur noch in geschlossenen Zirkeln, in Hinterzimmern, mit den Großen und Wohlhabenden dieser Republik geführt. Was ist aber, wenn Teilhabe und Mitbestimmung eingefordert werden? Wenn Menschen wie bei Stuttgart 21, bei den Castortransporten, außerhalb von Wahlen auf die Straße gehen, sich organisieren und zusammenfinden? Wenn die Bürgerinnen und Bürger für und um ihre Rechte kämpfen? Erst dann wird Leben wirklich reicher und demokratischer – auch wenn sich die Regierenden dagegen sperren.
DIE LINKE im Bundestag ist eine demokratische Bürgerrechtspartei und kämpft für mehr direkte Demokratie, für mehr Mit- und Selbstbestimmung, für mehr statt weniger Bürgerrechte. Wir werben für eine Öffnung verkrusteter und geschlossener Strukturen und wollen Fenster aufstoßen. Wir wollen nicht nur die Wände streichen, sondern das komplette Haus renovieren.
Wir wollen, dass die Mehrheit und nicht eine kleine Zahl von Privilegierten über Zukunft entscheidet. Wir wollen, dass auch die Wünsche von Minderheiten eine laut vernehmbare Stimme erhalten. Wir arbeiten deshalb eng mit Initiativen, Bewegungen und Gewerkschaften zusammen und streiten gemeinsam für eine »Demokratisierung der Demokratie«. Dafür haben wir konkrete Vorschläge entwickelt, die ich gern vorstellen und diskutieren möchte. Mischen Sie sich ein. Geben Sie sich nicht mit angeblichen Alternativlosigkeiten zufrieden.
Ihr Jan Korte
Nicht gegen uns. Mit uns.
Es gibt keine Alternative – mit dieser Parole wurden Sozialabbau, Kriegseinsätze und Sicherheitsgesetze in den letzten Jahren durchgezogen. Aber Bürgerinnen und Bürger haben sehr wohl Alternativen: Sie engagieren sich in Initiativen, Vereinigungen und Bündnissen. Sie wollen mitreden und sie wollen gefragt werden. Und wenn sie spüren, es wird gegen ihre Interessen und über ihre Köpfe hinweg entschieden, dann gehen sie auf die Straße. Das zeigten Stuttgart 21, der Kampf um die »Freie Heide« gegen das »Bombodrom« bei Wittstock, die Anti-Atomproteste bei den Castortransporten oder die Occupy-Bewegung. Die Menschen wehren sich und kämpfen um ihre gesellschaftlichen Vorstellungen – ob nun regional oder global – mit Volks- und Bürgerentscheiden, Demonstrationen, Petitionen. Nicht selten auch gegen bereits gefasste Parlamentsbeschlüsse. Der spürbare Erfolg: Auch zwischen den Wahlen können politische Entscheidungen beeinflusst und verändert werden. Das alles sind Zeichen lebendiger Demokratie!
Was könnte die Legende von der Politikverdrossenheit der Menschen besser widerlegen als diese aktiven Formen der Einmischung? Was könnte ein größerer Fehler sein als der, diese Bewegungen als »Stimmungsdemokratie« zu diskreditieren oder ihnen mit Polizeiknüppeln und Tränengas, Intransparenz und den Geschäftsordnungstricks der Regierenden zu begegnen?
Die Fraktion DIE LINKE will die parlamentarische Demokratie wieder herstellen und weiterentwickeln. Sie ist Motor für mehr direkte Demokratie. Sie legt ein 10-Punkte-Sofortprogramm vor mit dem Ziel, die beschriebenen Chancen einer nachhaltigen Demokratisierung der Demokratie von Staat und Gesellschaft zu nutzen und Fehlentwicklungen der letzten Jahre und Monate zu korrigieren.
Das Programm